Nachgefragt: Cinderella Operationen

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Experteninterview mit. Adrian K. Wiethoff, zertifizierter Fußchirurg sowie Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie bei Ars Pedis in Düsseldorf

Spitz, eng, hoch, oft unbequem und doch unglaublich beliebt – das sind Pumps und High Heels. Für den Genuss des Tragens solcher Frauenträume werden Schmerzen und wunde Füße in Kauf genommen. Spätestens seit „Sex in the City“ ist die Liebe der Frauen zu Schuhen, insbesondere Designerschuhen, unbestritten. Da nimmt Frau auch Qual und Leid in Kauf, denn wie heißt es so doch gleich: Wer schön sein will, muss eben leiden. Oder etwa doch nicht? Ein neuer Trend in den USA zeigt, dass Frauen sich damit nicht zufrieden geben. Fuß-Operationen sind ein zunehmender Trend in den USA, denn um ohne Schmerzen High-Heels tragen zu können, lassen Frauen sich operativ den Fuß schmaler machen. Unser Fuß-Experte Adrian K. Wiethoff, zertifizierter Fußchirurg und Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie bei Ars Pedis in Düsseldorf, kennt diesen Trend und gibt Auskunft über das sogenannte „Cinderella-Phänomen“.

Wie wichtig ist der Fuß in unserem Alltag?

Adrian K. Wiethoff: „Der Fuß trägt uns im Leben ca. 180.000 km, das heißt, unsere Füße tragen uns insgesamt ca. 4 Mal um die Erde. Sie leisten täglich Schwerstarbeit. 26 Knochen, beinahe 30 Gelenke, 60 Muskeln, über 100 Bänder und über 200 Sehnen sind allein im Fuß dafür da, uns in Bewegung zu halten. Zudem befinden sich in unseren Füßen mehr Sinneszellen als in unserem Gesicht. Gäbe es diese Sinneszellen nicht, wäre unser Gleichgewicht und unsere Beweglichkeit gestört, Bewegung sehr schwer möglich. Unser Fuß ist daher im Alltag von enormer Bedeutung.“

Laut Berichten gibt es in den USA den Trend der „Cinderella Operation“. Was ist das?

Adrian K. Wiethoff: „Die „Cinderella-Behandlung“ ist im Prinzip eine Fußverschmälerung durch frühzeitige Korrektur der Ballenzehe, auch Hallux Valgus genannt, unter Umständen auch der Fußaußenkante (sogenannter Schneiderballen). Der Name Cinderella stammt aus dem Englischen für Aschenputtel und ist treffend gewählt: Um in den Schuh von Cinderella zu passen, schneiden sich die Stiefschwestern Zehen ab und quetschen sich in einen für sie zu kleinen Schuh. Etwas harmloser verhält es sich mit dem neuen Trend: Eine frühzeitige Korrektur der Hallux valgus bzw. des Schneiderballens ermöglicht Patienten das Tragen eines Schuhes, der vorher nicht gepasst hat.“

Ist dieser Trend auch in Deutschland festzustellen?

Adrian K. Wiethoff: „Die OP-Zahlen im Bereich der ästhetischen und rekonstruktiven Fußchirurgie steigen stetig. Doch die meisten Operationen in meiner Klinik sind immer noch medizinisch indiziert. Man darf nicht vergessen, dass Hammerzehen oder Ballenzehen mit Schmerzen und Leidensdruck verbunden sind. Der Hallux valgus, eine sichtbare Fehlstellung der Großzehe, bei der das Grundgelenk zur Außenseite wegknickt, bereitet Betroffenen beim Laufen Schmerzen. Vor allen Frauen leiden unter diesem Syndrom, denn eine häufige Ursache ist eben das Tragen von zu engen und zu hohen Schuhen. Eine fortgeschrittene Fehlstellung bekommt man nur durch einen operativen Eingriff behoben. Ebenso verhält es sich mit der Hammerzehe, einer Verkrümmung des Mittelgelenkes der Zehe. Viele Patienten lassen sich auch ihre Zehen operativ verkürzen.“

Warum lassen sich Patienten ihre Zehen verkürzen?

Adrian K. Wiethoff: „Ein zu langer Zeh, in den meisten Fällen der zweite Zeh, kann optisch und funktionell stören. Ist der zweite Zeh länger als der große und der dritte Zeh, kann es zu Problemen kommen, einen passenden Schuh zu finden. Einige Patienten leiden zudem auch psychisch an der Deformation und verzichten im Sommer aus Scham auf offenes Schuhwerk. Auch in anderen Fällen ist ein ästhetischer Grund die Ursache für eine operative Korrektur. Dazu zählen auch viele genetisch bedingte Veränderungen wie zum Beispiel zusammengewachsene oder einzelne zu kurze Zehen.“

Wie kann das Tragen von High-Heels erträglicher werden?

Adrian K. Wiethoff: „Mit jedem Zentimeter Absatz kommt 10 % mehr Belastung durch das Körpergewicht auf den Fuß. Schnell entstehen so wunde Stellen, Blasen oder schmerzende Füße. Damit der Fuß dieser Belastung gewachsen ist, kann man den Schuh vor dem Tragen mit einem Dehnungsspray einsprühen. So wird das Material geweitet und dadurch die Reibung vermindert. Gels-Sticks gegen Blasen haben den gleichen Effekt. Damit man längerfristig von Schmerzen beim Tragen von High-Heels befreit werden kann, ist es möglich, die Füße unterspitzen zu lassen. Schmerzen beim Tragen von hohen Schuhen entstehen dadurch, dass die natürlichen Fettpolster der starken Belastung nicht gewachsen sind. Eine künstliche Polsterung mit Hyaluronsäure verschafft sofort Abhilfe und hält bis zu achtzehn Monate lang. Wer gerade an warmen Tagen unter stark schwitzenden Füßen leidet, der kann mit Hilfe von Botox dem Schweiß den Kampf ansagen. Hierbei wird Botox in die Fußsohle gespritzt. Die Reizleitung von den Nerven zu den Schweißdrüsen wird so für ein paar Monate lahmgelegt und Schweiß kann nicht mehr entstehen.“

In wieweit sind Frauen bereit, schmerzhafte Eingriffe auf sich zu nehmen, um ihre breite Puschen-Füße sandalettentauglich verschmälern zu lassen?

Adrian K. Wiethoff: „Zunächst müssen diese Eingriffe im Prinzip nicht sonderlich schmerzhaft sein, denn es gibt ja Schmerzmittel. Allzu leicht darf man solche Operationen selbstverständlich trotzdem nicht nehmen. Aber wenn in Schuhen ständig Schmerzen bestehen, überwiegt der Leidensdruck. Fehlstellungen wie ein Hallux valgus neigen zudem dazu, fortzuschreiten, so dass oft im Laufe des Lebens ohnehin irgendwann eine Operation notwendig werden würde. Mit einer frühzeitigen Operation wird außerdem einer fortschreitenden Arthrose des Gelenks entgegengewirkt, die aufgrund der Fehlstellung entstehen kann. Im Übrigen wird weltweit letztendlich ein großer Teil der Vorfußoperationen nur aufgrund von Schmerzen in Schuhen durchgeführt. Und was Schuhe angeht, sind die Vorlieben eben recht unterschiedlich. Doch es ist ein Trend in der Fuß-OP zu erkennen. Seit Designerschuhe von Manolo Blahnik, Christian Louboutin und Co. das Frauenherz erobert haben, ist eine Steigerung der durchgeführten Fußoperationen zu erkennen. Frauen legen vermehrt Wert auf schöne Füße und schicke Schuhe und sie möchten in Designerschuhe passen. Vollkommen gesunde Füße werden normalerweise nicht verschmälert. In der Regel liegt aber eine beginnende Fehlstellung vor, die auf Röntgenbildern zu erkennen ist. Aufgrund ausgereifter OP-Methoden haben sich heute die Grenzen verschoben, ab wann operiert wird. Operationen werden also frühzeitiger durchgeführt, weil man nicht mehr so lange zu warten braucht, bis es auch in anderen Schuhen vor Schmerzen nicht mehr geht.“

Wie läuft eine OP ab?

Adrian K. Wiethoff: „Zunächst sind eine genaue Untersuchung und Röntgenaufnahmen notwendig. Sind hier knöcherne Auffälligkeiten zu sehen, kann die geeignete Operationsmethode ausgewählt werden. Es handelt sich um Operationen, die theoretisch ambulant und in örtlicher Betäubung durchgeführt werden können – bei beidseitigen OPs eher in Vollnarkose. Nach einer Operation muss für etwa 4 Wochen ein Verbandschuh mit fester Sohle getragen werden und es sind regelmäßige krankengymnastische Behandlungen notwendig.“

Wie gut sind die Ergebnisse und mit welchen Kosten und Risiken ist dabei zu rechnen?

Adrian K. Wiethoff: „Wichtig ist, dass von einem fußchirurgisch erfahrenen Arzt und nach etablierten fußchirurgischen Methoden operiert wird, dann sind die Risiken durchaus vertretbar und die Ergebnisse in der Regel vorzeigbar. Je nach Alter der Patienten, Schonung und anderen individuellen Faktoren können neben den generell bei allen Operationen bestehenden Risiken manchmal leichte Schwellungen bestehen, die Wochen bis sogar Monate anhalten. Sehr selten kann bei Heilungsstörungen auch eine erneute Operation notwendig werden. Die Kosten betragen je nach Umfang zwischen 1500 und 3000€ pro Fuß.“