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VON GENMANIPULATION DURCH SONNE BIS TABLETTEN GEGEN HAUTKREBS

Im November fand in Wiesbaden und Berlin wieder der jährliche DermaUpdate- Kongress statt. Hier präsentieren die renommiertesten Spezialisten Deutschlands alle Neuentwicklungen Ihres Fachgebietes:

Solarium macht süchtig

Schon einmal von Tanning-Junkies gehört? So nennt man in den USA Menschen, die süchtig nach Solarienbräune sind. Dass mehr dahintersteckt als ein knusperbraunes Schönheitsideal, wurde jetzt in einer Studie mit Mäusen nachgewiesen. Offenbar werden durch den UV-Lichtkonsum größere Mengen Endorphine ausgeschüttet, die dieses Suchtverhalten bewirken. Die Gabe des Opio- id-Antagonisten Naloxon (ein Gegenmittel) bei den Solarium-Mäusen löste Symptome wie Mus- kelzittern und Zähneklappern aus.

Mehr cremen, statt mehr sonnen

Mal ehrlich, wer hat noch nicht versucht, durch eine Vorbräunung im Solarium weniger bleichgesichtig in den Süden zu reisen … Leider ist das Solarium als Sonnenbrand- Prophylaxe aber ganz ungeeignet. Die Vorbestrahlung bringt nur einen Lichtschutzfaktor von 2 bis 3 und ist somit völlig unzureichend. Im Gegenteil: Die künstliche Bräune verleitet dazu, leichtsinniger mit der Sonne umzugehen. Überhaupt werden Lichtschutzmittel immer noch viel zu dünn aufgetragen. Ihre volle Wirkung entfalten sie aber nur, wenn sie in der vorgeschriebenen Menge von 2 mg/cm2 – das sind ca. 30 g für den gesamten Körper! – aufgetragen werden. Wer keine dicken Cremeschichten mag, muss nach eine Stunde nachcremen. Oder, noch besser, im Schatten bleiben.

Genmanipulation durch UVA-Licht

Jedes Kind weiß, dass UVA-Licht (z.B. in Solarien) zu vorzeitiger Hautalterung führt. Bisher nahm man an, dass dies auf oxidative Prozesse zurückzuführen ist. Neu ist die Erkenntnis, dass durch das UVA-Licht auch Alterungsgene aktiviert werden, die zu einer vorzeitigen – nun, ja, Vergreisung – führen. Noch gibt es keine wirksamen Strategien (spezieller Sonnenschutz), um die Anhäufung dieser Alterungsgene zu bremsen. Außer einer: nie ins Solarium und selten in die Sonne gehen …

Wäre da nicht das Ergebnis einer Aufsehen erregenden schottischen Studie: Durch UVA- Lichtbestrahlung kann der Blutdruck um ca. 5 mmHg gesenkt werden. Das ist zwar wenig, reduziert aber rein rechnerisch das Schlaganfallrisiko um 34 und das eines Herzinfarktes um 21%. Der entspannende Effekt des Sonnenbades basiert auf einer Erweiterung der Blutgefäße. Leider hat die blutdrucksenkende Wirkung nur eine Dauer von 50 Minuten nach Ende der Bestrahlung. Es gibt definitiv hautfreundlichere Methoden zur natürlichen Blutdrucksenkung: z.B. Sport, Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung und gelegentlich ein Gläschen Rotwein.

Energiesparlampen sind Mini-Solarien

Einwandige Energiesparlampen können nach längerer Bestrahlung und bei kurzer Distanz wie Solarien lichtbedingte Hautveränderungen auslösen. Leuchtdioden dagegen sind ungefährlich. Sie haben zudem einen niedrigen Stromverbrauch und eine lange Lebensdauer von bis zu 106 Stunden. Leider teurer.

Vorsicht bei Johanniskraut

Spätestens wenn der Winterblues im Anflug ist, vertrauen viele Menschen auf stimmungsaufhellende Produkte mit Johanniskraut. Wer über einen längeren Zeitraum Johanniskraut oder andere lichtsensibilisierende Medikamente einnimmt, erhöht leider sein Risiko für die Entwicklung eines weißen Hautkrebses und muss sich vermehrt vor der Sonne schützen. Zu den lichtsensibilisierenden Medikamenten gehören z.B. manche blutdrucksenkenden Medikamente, Antibiotika (Tetracycline) und manche Psychopharmaka.

Hautkrebs statt Herzinfarkt

Erstaunlich sind die Ergebnisse einer riesigen dänischen Studie (insgesamt 4,4 Millionen Perso- nen). Demnach ist das Merkmal Hautkrebs als Marker für Sonnenexposition assoziiert mit einem selteneren Auftreten z.B. von Herzinfarkt und Hüftfraktur. Die Interpretation dieser Ergebnisse lässt Spielraum für zahlreiche Spekulationen – naheliegend könnte sein, dass Menschen, die sich viel an der frischen Luft bewegen, zwar insgesamt gesünder sind, aber ein höheres Risiko für Hautkrebs haben.

Hautkrebsprophylaxe mit Koffein

Interessant ist eine neuere Studie aus den USA, bei der frühere Hautkrebspatienten bezüglich Ihres Konsums von koffeinhaltigem Kaffee und Tee untersucht wurden. Hier ließ sich feststellen, dass koffeinhaltige Getränke offenbar eine Schutzwirkung ausüben, besonders in der Kombination aus Kaffee und Tee. Wer beides trinkt, kann sein Basaliom-Risiko fast halbieren.

Tabletten gegen Hautkrebs

Bei der Therapie des Basalzellkarzinoms (weißer Hautkrebs) gilt die operative Behandlung im mittleren Gesicht und bei dickeren Tumoren nach wie vor als der Goldstandard. Bei dünneren Tumoren bis 0,4 mm Tumordicke sind die neuen Immuntherapeutika (Aldara, Picato) und die Photodynamische Therapie aber ebenso gut wirksam. Sie sind insbesondere bei großflächigen Tumoren und in kosmetisch ungünstigen Regionen wie dem Dekolleté eine angenehme Alternative.

Viagra macht auch Hautkrebs potent

Regelmäßiger Viagra-Konsum erhöht offenbar das Risiko für die Entstehung eines Melanoms um ca. 84%. Diese unerfreuliche Erkenntnis wird allerdings relativiert, wenn man bedenkt dass eine Vielzahl von Muttermalen (über 100) bereits das Risiko um 590% steigert. Außerdem dürfte auch das Alter der Viagra-Konsumenten eine gewisse Rolle spielen …

Vorsorge umstritten

Die 5-Jahres-Überlebensrate nach der Diagnose Melanom weist große regionale Unterschiede auf. So nimmt Deutschland mit 89,4% einen europäischen Spitzenplatz ein, die osteuropäischen Länder liegen mit 74,3% wesentlich darunter. Gründe sind die Einführung des flächendeckenden Hautkrebs-Screenings, das es in Osteuropa so nicht gibt und die bessere dermatologische Versorgung. Trotzdem steht das Screening weiterhin im Kreuzfeuer der Kritik. Kern ist die Kostenfrage,   da Tausende von Menschen gescreent werden müssen, um ein Melanom zu entlarven. Auf der anderen Seite kann das Screening natürlich genau diesem einen Menschen das Leben retten … Ein weiterer Kritikpunkt ist der zu geringe positive Vorhersagewert von 3,7%. Nur eines von 30 verdächtigen Pigmentmalen ist also tatsächlich ein Melanom. Außerdem sind beginnende dünne Melanomen oft schwierig zu identifizieren.

Sicherheit dank Mela-Find

In einer neuen deutschen Studie wurde die Sensitivität zur Entdeckung eines Frühmelanoms bei Untersuchung durch Dermatologen mit Auflichtmikroskop und Mela-Find-Gerät von 69,5 auf 96,9% gesteigert. Dank Mela-Find wurde also praktisch kein einziges Melanom übersehen, bei einer Untersuchung ohne Mela-Find dagegen jedes dritte. Problematisch ist bei Mela-Find nur die niedrige Spezifität von 9,7%. Es müssen also durchschnittlich neun verdächtige Pigmentmale entfernt werden, um ein Melanom zu identifizieren. Dennoch: Hier sollte Sicherheit vor Kosten gehen!

Ausblick

Die jüngsten Erfolge in der bisher aussichtslosen Therapie des metastasierenden Melanoms ha- ben die Forschung extrem beflügelt und immer neue Mutationen als Ursache für die Entstehung von Melanomen aufgedeckt. Diese haben zu großen Anstrengungen der Pharmaindustrie mit der Entwicklung einer ganzen Reihe von biologischen Anti-Tumorsubstanzen geführt. Studien zeigen, dass wir vor einem Durchbruch in der Therapie mit einer recht deutlichen Lebensverlängerung und – in Einzelfällen – vielleicht sogar vor der Heilung dieser schweren Erkrankung stehen. Hoff- nungsvoll in diesem Zusammenhang: Die Forschungsergebnisse lassen sich offenbar auch auf zahlreiche andere Tumoren übertragen.

 

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