Kleiner Augencheck, große Wirkung

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Experteninterview mit Toam Katz M.D. Facharzt für Augenheilkunde und refraktive Chirurgie und medizinscher Direktor bei CARE Vision Germany

Warum eine regelmäßige Kontrolle der Augengesundheit so wichtig ist

Die Augen sind unser wichtigstes Sinnesorgan. Sie leiten uns durch unseren Alltag und ermöglichen ein eigenständiges Leben. Ungefähr 90 Prozent aller Informationen aus unserer Umgebung empfangen wir über die Augen. Umso erstaunlicher ist es, dass viele Menschen eine regelmäßige Kontrolluntersuchung beim Augenarzt vernachlässigen. Der Wert des Augenlichts wird oftmals erst dann bewusst, wenn es beeinträchtigt ist. Unser Experte erklärt, warum der regelmäßige Augencheck für unsere Gesundheit so wichtig ist.

Warum ist die regelmäßige augenärztliche Kontrolle der Augen so wichtig?

Toam Katz M.D.: „Eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung trägt dazu bei, bis ins hohe Alter gut sehen zu können. Viele Augenkrankheiten können bei rechtzeitiger Diagnose gut behan- delt werden. Erkennt der Augenarzt beispielsweise eine Erkrankung an altersbedingter Ma- kuladegeneration (Erkrankung der Netzhaut) frühzeitig, kann ihr Fortschreiten erheblich ver- langsamt werden. Bleibt sie hingegen unbehandelt, führt diese Erkrankung zur Erblindung. Gleiches gilt auch für die Krankheiten grüner und grauer Star. Augenerkrankungen haben die Eigenschaft, schleichend voranzuschreiten. So bleiben sie von den Betroffen häufig lange Zeit unbemerkt, bis es dann für eine erfolgreiche Behandlung zu spät ist. Die regelmäßige Vorsorge hilft, diese Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen.“

Kann ein Augencheck beim Optiker eine ärztliche Untersuchung ersetzen?

Toam Katz M.D.: „Ein Sehtest beim Optiker kann eine augenärztliche Untersuchung nicht ersetzen. Er gibt zuverlässige Hinweise über unsere Sehschärfe. Ernsthafte Erkrankungen wie grüner Star, Diabetes im Auge, Netzhautrisse oder Tumore kann der Optiker aber nicht diag- nostizieren. Ebenso wie ein Sehtest ist auch die augenärztliche Untersuchung für den Patien- ten völlig schmerzfrei und beansprucht nicht viel Zeit.

Ab welchem Alter sollte man regelmäßige augenärztliche Checks durchführen lassen?

Toam Katz M.D.: „Ab dem 40. Lebensjahr können langsam erste Sehmängel wie zum Beispiel Alterssichtigkeit auftreten. Ein Augencheck ist jetzt wichtig, da die Alterssichtigkeit korrigiert werden muss. So bleibt der Patient im Alltag und ganz besonders beim Autofahren scharf- sichtig. Auch für die Früherkennung der bereits erwähnten Augenerkrankungen ist eine jähr- liche Vorsorgeuntersuchung spätestens ab 40 Jahren sinnvoll. Patienten, die sehr kurzsichtig sind oder über längere Zeit Cortison eingenommen haben sollten, ganz unabhängig vom Alter, eine regelmäßige Vorsorge wahrnehmen. Das gilt auch für Patienten, in deren Familie es bereits Erkrankungen an grünem Star gab. Da die Krankheit vererbbar ist, sind Kontrollun- tersuchungen hier besonders wichtig.“

Ab wann sollten Kinderaugen untersucht werden?

Toam Katz M.D.: „Jedes Neugeborene wird nach der Geburt beim Arzt oder durch die Heb- amme kurz an den Augen untersucht. Eine erste augenärztliche Untersuchung empfiehlt sich ab einem Alter von zwei Jahren. So kann zum Beispiel eine Erkrankung wie das Schielen rechtzeitig erkannt werden. Auch vor dem Schuleintritt sollten Eltern die Augen ihrer Kinder untersuchen lassen. Im Schulalltag sind Kinderaugen großen Belastungen ausgesetzt. Gutes Sehen ist jetzt die Grundvoraussetzung für eine gute Konzentrationsfähigkeit. Schon die kleinste Fehlsichtigkeit kann zu Lernschwierigkeiten führen und Kopfschmerzen, Schwindel oder Doppelbilder verursachen.“

Kann ein regelmäßiger Augencheck auch für die allgemeine Gesundheit sinnvoll sein?

Toam Katz M.D.: „Ja, denn unsere Augen können Aufschlüsse über bestimmte Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck geben. Der Augenarzt kann an der Netzhaut die Beschaf- fenheit der Blutgefäße erkennen. So lässt sich der Schweregrad dieser Erkrankungen sehr gut einschätzen. Für Diabetiker ist es besonders wichtig, die Augen regelmäßig untersuchen zu lassen. Ein erhöhter Blutzucker und Blutdruck kann den Augen schaden. Diabetiker kön- nen an der sogenannten diabetischen Retinopathie erkranken, die unbehandelt zur Erblin- dung führt. Ab dem fünften Erkrankungsjahr sollten Typ-1-Diabetiker regelmäßig zur augen- ärztlichen Vorsorge gehen. Typ-2-Diabetiker sollten diesen Termin jedes Jahr wahrnehmen.“

 

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