Diagnose Lipödem: Das Fett muss weg

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Heilungschancen dank einer OP

Geschwollene, unförmige Beine: Viele Frauen leiden unter ihrem Äußeren und wissen oft nicht, dass dahinter eine veranlagte Erkrankung stecken kann. In Deutschland gibt es schätzungsweise drei Millionen betroffene Frauen, die am Lipödem leiden. Neben dem unschönen Erscheinungsbild gehören Schmerzen und im fortgeschrittenen Stadium Bewegungseinschränkungen zum Krankheitsbild. „Der Leidensdruck der Frauen ist sehr groß“, weiß Dr. Rene Schumann, Facharzt für ästhetisch- plastische Chirurgie und Leiter der YUVEO Klinik in Düsseldorf. Er hat sich auf die Fettabsaugung zur Behandlung des Lipödems spezialisiert. Beim Lipödem handelt es sich um eine veranlagte Fettverteilungsstörung bei Frauen, die sich vor allem an den Unterschenkeln und Oberschenkeln zeigt. Teilweise können auch Oberarme betroffen sein. Zu den Symptomen gehören Schwellungen durch Wassereinlagerungen und eine Anfälligkeit für blaue Flecken an den erkrankten Stellen. Es kann zu Schmerzen kommen, die durch eine Druck- und Berührungsempfindlichkeit ausgelöst werden. In Extremfällen liegt auch eine eingeschränkte Beweglichkeit vor. „Oft wird das Lipödem mit anderen Krankheitsbildern wie beispielsweise Adipositas verwechselt und spät diagnostiziert“, erläutert Dr. Schumann. Handelt es sich zweifelsfrei um ein Lipödem und brachten herkömmliche Methoden keine gewünschte Besserung, ist eine Fettabsaugung bei der Erkrankung eine mittlerweile etablierte Behandlungsmethode.

Fettabsaugung – Besonderheiten beim Lipödem

„Der Eingriff selbst erfolgt wie eine normale Liposuktion (Fettabsaugung)“, bestätigt der Experte. Es erfolgen in den erkrankten Bereichen mehrere Einstiche, über die eine bestimmte Flüssigkeit injiziert wird, die schmerzstillend, bluthemmend und aufquellend wirkt. Die eigentliche Fettabsaugung beginnt nach einer gewissen Einwirkzeit. „Mit abgerundeten Kanülen und durch leichte Bewegungen wird das überschüssige Fett entfernt. Da die Operation mit Schmerzen verbunden ist, empfehle ich eine Vollnarkose“, erläutert Dr. Schumann. „Eine Besonderheit bei Lipödem-Patientinnen ist, dass das Fettgewebe weicher ist und sich daher für eine Absaugung gut eignet.“ Dabei werden in einer Sitzung oft sechs bis über acht Liter Fett abgesaugt. In Extremfällen sind teilweise mehrere Sitzungen erforderlich. Insbesondere größere Mengen von über 4-5 Liter lassen sich hervorragend mit einem neuartigen System der Fettabsaugung entfernen. Die herkömmliche Technik würde wegen der aggressiveren mechanischen Wirkung schon deutlich früher zur vermehrten Blutung führen. Die meisten modernen Systeme, welche auch größere Absaugmengen zulassen, ohne den Patienten zu gefährden, arbeiten mit einer Vibrationstechnik. Die in Mikroschwingungen versetzte Kanüle kann das Fett leichter aus dem Verband lösen und ist so äußerst gewebeschonend – was schließlich auch einen deutlich geringeren Blutverlust bedeutet. Mit dieser Methode können Liposuktionen, die früher in 2 bis 3 Sitzungen durchgeführt wurden, in einer Sitzung erfolgen. Das bedeutet eine extreme Reduktion des Gesamtaufwandes der Behandlung, insbesondere wenn man die postoperative Heilphase dazuzählt. „Ich rate bei allen mittelgroßen und größeren Fettabsaugungen immer zu einem stationären Aufenthalt von einem Tag, da es bei der Entfernung von soviel Fettgewebe zu Kreislaufproblemen kommen kann. Eine längere Schonphase ist nach der Operation in jedem Fall einzuplanen. Auch das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist für das optimale Endergebnis von entscheidender Bedeutung.“

 

Auf mögliche Komplikationen weist Dr. Schumann seine Patientinnen hin. Durch den Verlust von einigen Litern Fett kommt die Haut nicht immer nach, so dass ein Hautüberschuss verbleiben kann, der eine weitere Straffungsoperation erfordert. Zudem können Dellen oder ein Taubheitsgefühl entstehen, was in der Regel wieder abklingt. „Die Angst der Patientinnen, dass das Fett wieder kommt, ist verständlich“, erklärt Dr. Schumann, „gerade Lipödempatienten haben große Sorge davor, dass sich die Körperform wieder zum Negativen ändert. Bei einer Fettabsaugung ohne die Diagnose Lipödem gilt: Die Anzahl der Zellen kann nicht zunehmen. Was einmal abgesaugt ist, ist weg. Jedoch kann das noch vorhandene Fettgewebe an Volumen zunehmen. Dieses geschieht typischerweise dann, wenn man durch erhöhte Nahrungszufuhr oder Bewegungsmangel insgesamt an Gewicht zunimmt. Bei Lipödempatienten ist dieses etwas anders, da die noch vorhandenen Zellen sich vergrößern können, so dass es nach Jahren wieder zu einem Zuwachs kommen kann, die gegebenenfalls eine erneute Fettabsaugung nötig macht. Jedoch kann man sich in der Regel über viele Jahre über das Ergebnis nach der Liposuktion und die damit verbundene Beschwerdereduktion erfreuen“ Direkt nach der Operation gibt es erkennbare Erfolge, das endgültige Ergebnis sieht man aber erst nach mehreren Monaten. Obwohl in den meisten Fällen der größte Anteil der postoperativen Schwellung nach ca. 2 Monaten abgeklungen ist, dauert es ungefähr 9-12 Monate bis ein Endergebnis sichtbar wird. Die betroffenen Frauen profitieren schon nach kurzer Zeit von der verbesserten Lebensqualität durch die Operation.

Fakten zum Lipödem:

• Anlagenbedingte Fettverteilungsstörung

• Betrifft Frauen

• Ist zum Teil mit einer Adipositas kombiniert

• Typische Erscheinungsbild ist ein Missverhältnis zwischen relativ schlankem Oberkörper und korpulentem Unterkörper

• kann auch die Oberarme betreffen

• Sport und Diäten alleine helfen nicht

Möglichkeiten ohne Operation:

• Lymphdrainage

• Kompressionstherapie

• Diät

• Massage

• Entwässernde Maßnahmen

Kosten einer Fettabsaugung:

• bei einer kleinen Fettabsaugung ab ca. 3.000 Euro

• bei Extremfällen mit bis zu 10.000 Euro

• Die Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel leider nicht

 

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